Bipolare Störung | Entlassungsbericht

Meine Bipolare Störung ist ein Geschenk, ohne sie wäre ich kein Künstler. Doch ist sie nicht ich, so verzweifle ich nicht.

 

Es handelt sich um einen Entlassungsbericht (stationär) 19.05.2015-03.07.2015. Mein Name ist Leonard und ich betreibe einen Youtube-Kanal zum Thema Bipolare Störung. Wir sehen uns im nächsten Video.

bipolare störung

Anamnese

Aufnahmeanlass

Der 16-jährige Jugendliche erscheint in Begleitung beider Eltern zur zweiten Aufnahme auf der Jugend- Suchtstation. Die Aufnahme erfolgt als direkte Übernahme mit Unterbringungsbeschluss aus dem Kinderkrankenhaus Wilhelmstift nach 4wöchigem akutstationären Aufenthalt aufgrund einer manischen Episode nach massiver Intoxikation mit Cannabis. Seither habe er nicht mehr konsumiert, strebe langfristig jedoch einen kontrollierten Konsum an. Die Eltern beschreiben sich als extrem belastet aufgrund der im Vorfeld weiter eskalierten Konflikte, positionieren sich dennoch nicht eindeutig ggü einer Es bestehe und sei gestellt, dennoch gehe davon aus, dass er nach Ablauf des Beschlusses wieder nach Hause gehe. Im Kontakt zeigt sich L überhöht mit Distanz zu den manischen Gedanken, den Eltern ggü impulsiv. Sich als stark erschöpft. Ziele für diesen Aufenthalt: weitere medikamentöse Einstellung Förderung der Krankheitseinsicht, Stimmungsstabilität.

bipolar typ I

Verlauf der Bipolar affektiven Störung

Die Behandlung erfolgte auf der Jugend-Suchtstation, die im interdisziplinären Team nach einem multimodalen Konzept arbeitet. Die Behandlung unterteilt sich in den zweiwöchigen qualifizierten Entzug (sog. A-Seite) und eine jugendpsychiatrische Weiterbehandlung der komorbiden Störung (sog. B-Seite) Neben einer jugend-, sucht- und sozialpsychiatrischen Diagnostik kommen vielfältige auf den (Substanz Konsum bezogene Therapieformen zum Einsatz (u.a. soziales Kompetenztraining, Rückfallpräventions- und Motivationsgruppen). In der therapieschulenübergreifenden Einzeltherapie und in den Familiengesprächen werden die individuellen Hintergründe der Erkrankung beleuchtet um für veränderungen zugänglich gemacht zu werden und dadurch neue Perspektiven zu erarbeiten. In der bezugspädagogischen Arbeit bieten klare Regeln und Strukturen, unterstützende Beziehungsangebote, den Jugendlichen Halt und Rahmen.

Während der anfänglichen Behandlung auf A-Seite zeigte sich der Pat zunächst sehr müde kraftlos, sich auf die Medikation fixierend (siehe Verlauf medikamentöse Behandlung). Er integrierte sich zu Beginn wenig in die Patientengruppe und berichtete anfangs abendlichen Suchtdruck. Sein Einstellung ggü dem Konsum erschien ambivalent und erst im Verlauf gefestigter hinsichtlich de Abstinenz von Substanzen. Im Kontakt mit dem PED wie auch mit seinen Eltern dominierten anfangs starke Stimmungsschwankungen: während er zum einen depressive Verhaltensmuster inklusive Rückzug zeigte, sich in der Interaktion auffällig devot präsentierte, geriet er im Kontakt mit seinen Eltern -insbesondere in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung über Fremdplatzierung- in impulsiv agierende, nicht altersangemessene wirkende Zustände. Dieser kindlich-verzweifelte, vor seinen Eltern präsentierte Modus stand in großem Kontrast zu seinem sonstigen Bemühen um Intellektualität und Uberlegenheit. Vor Auslaufen des bereits bei Übernahme bestehenden Beschlusses zeigten sich sowohl die Eltern als auch L. nicht bereit für einen bereits im ambulanten Verlauf nach dem ersten stationären Aufenthalt empfohlenen Wechsel in eine betreute Jugendwohnung und machten den Wunsch nach Verbleib in der Familie weiterhin deutlich und der Pat drängte auf Entlassung. In direktem Anschlus kurz vor der damit geplanten Entlassung, kam es zu einem damit in Verbindung stehenden, intensiven Stress- und Überforderungserleben des Pat, welches den Beginn einer weiteren maniformen Krise mit psychotischer Symptomatik (gesteigertem Redefluss, Angetriebensein, überwertige ldeen, religiöse Phantasien, starke formale Denkstörungen) zur Folge hatte. Es resultierte die Verlängerung des richterlichen Beschlusses wie auch eine Umstellung der Medikation auf Haldol und Zyprexa (s.u.), wovon der Pat sehr profitierte. Bei im Verlauf persistierendem Drängen in die häusliche Umgebung wurde bei einem Runden Tisch der aktuelle Verbleib des Pat in der Familie besprochen, bei gleichzeitiger Installierung einer ambulanten Hilfe zur Erziehung. Nachdem die Symptomatik unter der neuen Medikation schnell remittierte, wurde der Pat auf die B-Seite verlegt und fand dort Anschluss in der Gruppe der Mitpatienten. In der Stimmung dominierte im Verlauf der Behandlung ein depressiver Affekt der Pat zeigte sich in der Schwingungsfähigkeit eingeschränkt, war jedoch im Kontakt auslenkbar.

bipolar depression manie

In den psychotherapeutischen bagatellisierte er in weiten Teilen den Substanzkonsum. Es wurde sich stark auf die Förderung von Krankheitseinsicht sowie Auswirkungen von Konsum auf die aktuelle Erkrankung fokussiert. Im Verlauf, insbesondere nach dem erneuten, im Nachhinein als „unheimlich“ besetzten Erleben der zweiten manischen Episode zeigte sich der Pat krankheitseinsichtiger und gegenüber der Medikation compliant, verblieb jedoch in seiner starken Selbstüberschätzung hinsichtlich des Rückfallrisikos nach Entlassung In den Familiengesprächen präsentierte sich L. im Kontakt zu den Eltern schnell angespannt und gereizt, gleichzeitig für seinen Verbleib in der Familie kämpfend, dabei die Eltern stark unter emotionalen Druck setzend. Die Eltern entschieden sich entgegen der klaren und mehrmaligen Empfehlung für einen weiteren häuslichen Wohnversuch unter klaren Rahmenbedingungen, die schriftlich fixiert wurden. Das hohe Rückfallrisiko bei Verbleib in der konsumierenden Peergroup wurde ausführlichst thematisiert. Die Bedingung einer ambulanten Hilfe zur Erziehung für den Wohnversuch wurde vom Pat missbilligend in Kauf genommen. Darüber hinaus wurden gemeinsam Regeln für das häusliche Zusammenleben erstellt. Weiter erfolgte die Absprache zur Besichtigung von drei stationären Einrichtungen der Jugendhilfe, um die Abläufe im Falle eines Scheiterns des häuslichen Wohnversuchs zu verkürzen.

Die Medikation mit Aripiprazol 10 mg (1-0-0) und einer Festmedikation mit Truxal/Diazepam zeigte zu Beginn der statt. Behandlung kaum Effekte über eine Hypersedierung hinausgehend. Nach erneuter maniformer Episode entschieden wir uns für eine Akutmedikation mit Haloperidol 2mg 0 2mg sowie Olanzapin 5 mg 0 5 mg pro Tag. Hierunter besserte sich L. Symptomatik (Antriebsteigerung, überwertige Ideen rasch innerhalb weniger Tage. Entgegen der Empfehlungen in den Leitlinien entschieden wir uns bei fluktuierend schwankender Compliance und Abbruchgedanken bzw. möglichem Rückfall in den Substanzkonsum entgegen einer Medikation mit Lithium bzw. Valproat als Phasenprophylaktikum. Dies sollte im weiteren Verlauf bzw. bei erneute Auftreten manischer Phasen im stationären Rahmen erneut in Betracht gezogen werden. Zur Entlassung reduzierten wir die Haloperidol Gabe sowie die adjuvantive Medikation mit Biperiden bis zum vollständigen Absetzen. Auf die verminderte Reaktionsfähigkeit bsp. im Straßenverkehr oder beim Bedinen von Maschinen sowie eingeschränkte Konzentration durch die Medikation und andere mögliche UAWs verwiesen wir auch gegenüber den Eltern.

Entlassdokumentation

Medikation bei Entlassung: Olanzapin 5mg Tbl.) 1-0-1

Empfehlung

Wir sahen den 16-jährigen Jugendlichen in seinem zweiten stationären Aufenthalt bei uns, in der Folge einer ersten cannabisinduzierten, manische Episode, im Sektorkrankenhaus ****** behandelt wurde. Nach der Übernahme kam es zu einer zweiten manischen Krise ohne Substanzkonsum, welche jedoch medikamentös gut behandelt werden konnte. Im Fokus auch dieser Behandlung standen weiterhin die ausgeprägten interaktionellen Schwierigkeiten zwischen dem Pat und seinen Eltern, bei gleichzeitig beidseitigem Wunsch nach Verbleib in der Familie. Eltern wie Patient entschieden sich für einen weiteren häuslichen Wohnversuch, der unsererseits als letzte mögliche Realitätsüberprüfung hinsichtlich des gemeinsamen Zusammenlebens und gewünschten Schulversuchs verstanden wird und auch als diese kommuniziert wurde. Als unterstützende Maßnahme wurde im Verlauf der Behandlung eine ambulante Hilfe zur Erziehung eingerichtet. Die stationäre Nachsorge und auch ambulante, psychiatrische Weiterbehandlung erfolgt über unsere Ambulanz für seelisch erkrankte Kinder und Jugendliche. Laut Fachinformation bitten wir um regelmäßige Kontrollen von Labor (Prolaktin) und EKG Termine wurden bereits vereinbart. Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.


2 Kommentare

mannedante · Juni 11, 2018 um 10:00 am

In der eigenen Annahme liegt die Lösung. In der Annahme der Anderen das Problem! 🙂

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