Der folgende Bericht dient lediglich zur Dokumentation einer Lebensphase. Dieser Bericht soll Schaden durch Aufklärung minimieren.

Wie hat alles angefangen?

Den direkten Anfang von etwas gibt es nie, es ist schließlich alles ein Prozess, jedoch kann ich ausmachen, wann der erste Kontakt zu der Parallelgesellschaft hergestellt wurde.

Mit dem Beginn der Pubertät öffnete sich mein Blick auch für psychoaktive Substanzen, die über den Horizont von Koffein, Nikotin und Alkohol hinaus gehen. Also habe ich angefangen fleißig zu recherchieren, ich durchforstete Foren aller art, am liebsten eve-rave.ch/forum. Ich lernte wie man Cannabis mit LED-Kits oder Natrium-Dampf-Lampen anbaute, was Low-Stress-Training ist, und wie man Cannabis klont. Mit zwölf bis dreizehn Jahren war das. Ich nahm mir vor nur selbst angebautes Gras zu rauchen und das stets ohne Tabak. Achtung, ich nehme vorweg: Daraus ist nie etwas geworden.

Mit vierzehn dann der Durchbruch, ich schaffte es in die Niederlande mit Mutti. Schön mal zu schnuppern. Ich schaffte es sogar für 10 Minuten in das bekannte Green House, dann wurde ich rausgeworfen, damit war die Kiffer-Erfahrung dann auch zu Ende. Aber ich habe schöne Museen genießen können.

Nun zum eigentlichen Kontakt mit dem Klientel der Szene meiner Stadt:

Ich landete bei einer Psychologin, die war Hardcore-Kifferin… Spaß beiseite. Ich landete bei einer Psychologin, die mich wegen Stimmungsschwankungen auf eine Station gepackt hat. Direkt über dem Medizinischen-Versorgungs-Zentrum war eine Suchtstation für Jugendliche, perfekt. Mein Plan: Kontakte knüpfen, also willigte ich ein, mit purer Vorfreude.

Mit meinen fünfzehn Jahren war ich nicht der jüngste Patient dort, jedoch war es schwierig für mich Kontakte zu machen, aber zum Ende hin tauschte ich ein paar Nummern aus. Der Junge, der geblieben ist, wir nennen ihn mal Dorioco, kam aus einem krassen Ghetto meiner Stadt. Nachdem er seinen Entzug abgebrochen hat bin ich auch irgendwann entlassen worden. Ich rief den guten an und sagte das meine Dealer aus der Gegend grade tot sind. Wir trafen uns bei ihm und ich ging zu seinem Kumpel, dem Greenman. 60€ Taschengeld für ca. 6g Entspannungs-Weed. Lustiger Weise hatte ich vor dem Kauf schon eine große Bong, da ich meinen Eltern erzählte es handle sich um eine Design-Vase.

Ab diesem Moment wurde die Parkbank mein engster Freund und ich selbst immer grüner hinter den Ohren. Nicht nur weil Gras grün ist, sondern auch, weil ich mich mit meinen fünfzehn Jahren rückwärts entwickelte, denn diese Massen an THC sind nichts für Jugendliche.

Parkbank mit gelben Mülleimer zum kiffen

Im Geschehen der Sucht

Nach ca. drei bis vier Monaten gab es nichts anderes mehr, außer Weed. Nach diesem Zeitraum muss es gewesen sein, dass ich anfing alleine zu kiffen. Die Freunde von Dorioco waren alle nur Mitkonsumenten und es waren harte Straßenregeln, von wer baut den Joint, bis hin zu wer zum Dealer läuft. Wenigstens war alles klar, keine Ungewissheit. Dorioco wurde öfter mal geschlagen, weil er Weed in seinen Taschen versteckt hat (oder ähnliche Vergehen) und ich gab mein Bestes loyal zu sein und für gutes Essen zu sorgen.

Wir alle hingen im freien Fall. Der eine arbeitet Schwarz, der andere ist in einem Eingliederungs-Projekt, und widerrum der andere ein Typ, der Pizza ausliefert. Alle erwachsen außer ich und alle wohnen bei ihren Eltern. Aus gesellschaftlicher Sicht der absolute Dreck der Menschheit. Kein Beitrag zum System, nur kiffen und abhängen, am besten noch auf einem Spielplatz.

Erster Entzug

Viele Freunde von dem Projekt Mind Comedy kennen meine Geschichte der ersten Manie. So hat die Störung ihr höchstes Hoch erlitten. Ich machte mir morgens einen Cannabis-Tee mit Butter und marschierte in’s Ghetto, ja ich war ein Pendler zu der Zeit, von Hood zu Hood, von Joint zu Joint.

Schnell rauchte ich mich noch höher und am Abend, wieder in meiner Hood, hat der Redefluss sein Optimum erreicht, keine Unterbrechungen mehr.

Am nächsten Tag zur Psychologin, die mich auf die Suchtstation gesteckt hatte, sie steckte mich nun auf die Geschlossene und ich begann meinen ersten Entzug. Let’s go…

Craving, Schlaflosigkeit, Gereiztheit. Alles auch Teile der Manie, jedoch war die Manie wirklich durch Entzugssymptome gezeichnet, auch Schweißausbrüche blieben nicht aus.

Am ersten Tag aus dem Krankenhaus draußen rauchte ich wieder einen Joint.

Es musste sein und ich war nicht bereit damit aufzuhören. Olanzapin begleitete mich nun, da die Ärzte davon ausgingen, dass das Medikament keine Wechselwirkungen mit Cannabis hätte. Also grünes Licht.

Das Maximum: Kiffen reicht nicht

Geist sprayed

Zum Ende hin plante ich meinen finalen Entzug, ich setzte alles auf eine Karte und wollte danach die Handynummer wechseln, der Szene goodbye sagen. Und es klappte, ein Platz wegen Dringlichkeit in einem Monat auf der Jugend-Suchtstation.

In diesem Zeitraum gab ich alles mein abgefucktes Leben zu feiern und rauchte einen Joint nach dem anderen. Ich rauchte im Durchschnitt 6 Gramm pro Tag und nebenbei schlich sich ein Opioid in mein Konsummuster: Burprenorphin, auch bekannt als Subutex.

Ich habe mich aus Spaß mit Dorioco geohrfeigt, nur um zu schauen, wer es länger durchhält. Der Gewinner raucht den Joint kostenlos mit. So lief es am Ende.

Ich ging in den Entzug und wurde Meister meines Lebens. Aus dem Geist wurde ein Mensch. Mind Comedy wurde dann einen Monat später geboren.

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1 Kommentar

Extremes Kiffen in der Jugend | Lese mein Erfahrungsbericht | haluise · März 28, 2018 um 4:44 pm

[…] über Extremes Kiffen in der Jugend | Lese mein Erfahrungsbericht — Mind Comedy […]

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